Lore-Breslau

Gedenktafel Lore BreslauLore Breslau Gedenktafel in der Georg-Büchner-Schule
Frankfurt am Main
2001

Ausgangssituation:

2001 wurde Bernd Fischer von der Georg-Büchner-Schule in Frankfurt gebeten, einen Vorschlag für eine Gedenktafel zu erarbeiten. Diese sollte sichtbares Zeugnis der an der Schule geleisteten Arbeit und eine Mahnung an künftige Generationen sein.
Über mehrere Jahre hatten sich Arbeitsgruppen mit Verbrechen gegen die Menschheit unter dem Regime der Nationalsozialisten beschäftigt. In diesem Zusammenhang recherchierten Schüler und Schülerinnen auch Lebensspuren der Schülerin Lore Breslau, die die Bismarck-Schule, Vorgängerschule der Georg-Büchner-Schule besucht hatte.

Aufgabenstellung:

Vorgabe der Schule waren zwei Texte und der Ort im Schulgebäude, an dem die Tafel angebracht werden sollte. Die Tafel sollte sich nicht dominant und doch unübersehbar in die Schulumgebung einfügen.

Die Textvorgaben:

Lore Breslau
geboren am 9. September 1923
in Frankfurt am Main
bis 26. März 1936
Schülerin der Bismarck-Schule
am 19. Oktober 1941
deportiert nach Lodz/Ghetto Litzmannstadt
hier verliert sich ihre Spur

Identität
Menschen haben mir
mein Ich verboten
Sie wissen nicht
dass ich auch
Baum bin Vogel Stern
und Architekt
der Märchen baut
die sie nicht sehen
obwohl sie
bis in den Himmel
reichen
Rose Ausländer

Künstlerische Lösung:

Bernd Fischers Auffassung nach sind die vorgegebenen Texte zwei unabhängige Zeugnisse mit zwei verschiedenen Perspektiven auf einen „Geschehenshorizont“. Aus diesem Grund entschied sich Fischer dafür, jedem Text eine eigene Tafel zu widmen.

Beide Tafeln sind aus geschichtetem Aluminium. Bei einer Tafel ist die obere Schicht schwarz und die untere hell, bei der anderen Tafel ist die Schichtung umgekehrt. Beim Einfräsen der Schrift konnten so aus einem schwarzen Feld helle Buchstaben und schwarze Buchstaben aus einem hellen Feld herausgelöst werden.

Bernd Fischer versteht dies als eine Analogie zu den verschiedenen Textperspektiven: Die durch die Arbeit der Schüler aus dem Dunkel des Vergessens in das Licht der Gegenwart geholten Lebensdaten eines ermordeten Menschen, Opfer des verbrecherischen Regimes, sind in hellen Buchstaben aus schwarzer Umgebung gelöst. Der poetische Ausdruck dunkler Lebenserfahrung eines überlebenden Menschen wird sichtbar in schwarzen Buchstaben, die eine aus hellem Feld freigelegte tiefere Materialschicht zur Anschauung bringen.

Der Entwurf wurde unverändert realisiert.

Ausführung

graviertes Gravoxal und Gravostral
Tafel Breslau 13 x 154 cm
Tafel Identität 10 x 122 cm

 

» Lehrtätigkeit an der Georg-Büchner-Schule
» Ursula König über das Werk…

» stadtgeschichte-ffm
» Georg Büchner Schule
» Spurensuche an der Georg-Büchner-Schule

Go back