Perlenfabrik

Gedenktafel  Studentenwohnheim-1
Gedenktafel  Studentenwohnheim-3
Gedenktafel  Studentenwohnheim-2

Gedenktafel zur Erinnerung an das erste Konzentrationslager in Südhessen,
Ginnheimer Landstraße 40-42, Frankfurt am Main

 

Die Funktion der Gedenktafel

verstehe ich in erster Linie als eine Information zur Geschichte / zur Nutzung des Grundstücks während einer Phase der Nationalsozialistischen Ära. Die von der verbrecherischen Politik betroffenen Menschen werden im Text nicht einzeln genannt sondern summarisch gesellschaftlichen Gruppen zugeordnet.

Der Ort der Gedenktafel

ist ein Studentenwohnheim, ein temporäres Zuhause für junge, gebildete Menschen. Die anspruchsvolle, zeitgenössische Gestaltung der Architektur ist mit einfachen Mitteln verwirklicht.

Der Entwurf

orientiert sich an diesem Verständnis der Tafelaufgabe und des Ortes.
Die Gestaltung unterläuft die klassisch-werthaltige, herausgehobene Material-Ästhetik von Gedenktafeln, indem die gewählte Ansprache aus einem „einfachen“ Material und in „einfacher“ Gestaltung an bekannte Hinweistafeln erinnert, diese aber wiederum durch die konkrete Gestaltung wesentlich umdeutet.
Der Betrachter bekommt etwas zu sehen, das ihm vertraut und gleichzeitig fremd ist. Der unprätentiöse Charakter erscheint mir an diesem Ort die bestmögliche Form für eine Tafel mit diesem Inhalt zu sein.
Die Schrift und die Proportion des Schildes mit dem deutschen Text entsprechen der DIN-Norm für Verkehrszeichen, die tatsächliche Gedenktafelgröße nicht. Das englisch sprachige Schild entspricht nicht der DIN, die Proportion ist eine andere (die Länge ist verdreifacht).

Ebenso ist die Oberflächenbehandlung der Schilder im Unterschied zu den meisten bekannten Hinweisschildern unfarbig. Die beiden Alu-Natur-Eloxierten Aluminiumtafeln sind witterungs-beständig und passen mit ihrem grauen und einfachen Charakter wunderbar zum traurigen Inhalt und zur Architektur. Die vor der Wand schwebend montierten Tafeln können ohne sichtbare Schraubenköpfe angebracht werden.

Text

Vorgegeben vom Auftraggeber:

Hier, auf dem Gelände eines ehemaligen Erziehungsheimes, im Volksmund „Perlenfabrik“ genannt, errichtete 1933 die SA nur wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtergreifung das erste Konzentrationslager in Südhessen. Vor allem Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten wurden hier inhaftiert, gefoltert und gequält. Das KZ bestand nur kurze Zeit und wurde im Sommer 1933 aufgelöst. Zahlreiche der verbliebenen Häftlinge kamen in andere Konzentrationslager, vor allem nach Osthofen (heute Rheinland-Pfalz) und Dachau.

In 1933, only a few months after the Nazis seized power, the SA set up the first concentration camp in South Hessen here, on the grounds of what was once an approved school that the locals called the “Perlenfabrik” (bead factory). First and foremost, trade unionists, Social Democrats and Communists were imprisoned here, tortured and tormented. The concentration camp existed only briefly as was closed down in summer 1933. Many of the remaining inmates were deported to other concentration camps, mainly to Osthofen (Rhineland-Palatinate) and Dachau (Bavaria).

Ausführung

Deutsches Textschild h 567 x b 869 mm, Schriftgröße 25 mm
Englisches Textschild h 365 x b 1579 mm, Schriftgröße 25 mm
Projektlaufzeit: März bis November 2014

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