Julius-Flörsheim

Gedenktafel Julius FlörsheimJulius Flörsheim Gedenktafel in der Brüder-Grimm-Schule
Frankfurt am Main

2005

 

Aufgabenstellung:

In der Schule sollte eine Tafel zur Erinnerung an einen ehemaligen Lehrer und zwei seiner Kollegen angebracht werden.

Konzeption:

Bernd Fischers Konzept war es, eine Gedenktafel zu entwerfen, deren Nachhaltigkeit durch Informationen bewirkt werden sollte, die von der Schule selbst dokumentiert worden sind.

„Julius Flörsheim, ein jüdischer Lehrer an der Brüder – Grimm – Mittelschule in Frankfurt am Main“, 2003 – Publikation einer an der Schule geleisteten Forschungsarbeit bildete die grundlegende Materialquelle zur Erarbeitung seiner künstlerischen Lösung. Äußerungen der Schüler und Schülerinnen, die ihre Arbeitsmotivation, ihre Gefühle über die gewonnenen Erkenntnisse oder gewonnene Erkenntnisse prägnant formuliert haben, waren Bernd Fischer genauso wichtig wie die Informationen über die historischen Ereignisse.

Enthüllungsdatum 10. März 2005

Übergabefeier in der Brüder-Grimm-Schule, 2005Magdalene Simon, Initiatorin der Spurensuche und Gedenktafel (im gelben Jackett)(Von links) Schwiegertochter von Mr. Flörsheim, Werner Bernhard Flörsheim, Enkeltochter von Mr. Flörsheim, Klaus Kaduk, Schülerinnen und Eltern Vor der Julius Flörsheim Gedenktafel in der Brüder-Grimm-Schule

Künstlerische/Funktionale Lösung:

Bernd Fischer hat sich für eine Realisierung im Siebdruck auf zwei zusammengefügten Glasscheiben entschieden.

Auf der oberen Glasfläche stehen Zitate von Schüler/innen. Durch diese obere Glasscheibe hindurch wird eine untere sichtbar, erkennbar an den stofflichen Oberflächenunterschieden und an den Verschiebungen der beiden Ebenen zueinander (wenn man an der Gedenktafel vorbeigeht).

Bernd Fischer: Das Dokument ist in der Gestaltung der Gedenktafel der Brüder - Grimm - Schule, FfM verwendet - im Ausschnitt und in der Verkehrung in ein Negativ als Hintergrund der Lebensdaten des Lehrers Flörsheim Quelle: Publikation der Geschichts AG der Schule: "Julius Flörsheim, ein jüdischer Lehrer an der Brüder-Grimm-Mittelschule in Frankfurt am Main", 2003Bernd Fischer: Das Dokument ist in der Gestaltung der Gedenktafel der Brüder - Grimm - Schule, FfM verwendet - im Ausschnitt und in der Verkehrung in ein Negativ als Hintergrund der Lebensdaten des Lehrers Flörsheim Quelle: Publikation der Geschichts AG der Schule: "Julius Flörsheim, ein jüdischer Lehrer an der Brüder-Grimm-Mittelschule in Frankfurt am Main", 2003
Akte Flörsheim

Auf der unteren Glasscheibe sind ein Foto, das Häftlinge im KZ-Buchenwald zeigt, Dokumente der Schulbehörde (Akte Flörsheim) und eine biografische Notiz über den ehemaligen Lehrer und zwei seiner Kollegen zu sehen. Diese Informationen, die durch die Arbeit an der Schule in unsere Gegenwart geholt wurden, liegen nun wie eine tiefere, sichtbar gewordene, archäologische Schicht unter den Worten der Schüler von 2003. Mit dem gewählten Druckverfahren konnten die Bilder und Texte mit extrem resistenten Farben ausgeführt werden. Am Glas interessierte Bernd Fischer neben seiner Transparenz die sachlich-/neutrale Materialwirkung.

Text

An dieser Schule lehrte Julius Flörsheim von 1914 bis 1935.
Er war gerne Lehrer.
Sein Schulleiter Fafflock und sein Kollege Ruppel traten für ihn ein und
wendeten sich gegen die herrschenden Rassengesetze der Nationalsozialisten
Ruppel half, dass Flörsheims Sohn Werner Bernhard nach England emigrieren konnte.
Julius Flörsheim, seine Frau Jenny und sein Sohn Kurt wurden am 19.10.1941 von
Frankfurt am Main in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz deportiert.
Dort verliert sich ihre Spur.

„Über die Deportationen sollte nicht geschwiegen werden,
denn nur so können wir verhindern, dass Menschen so ein Leid durchmachen müssen.“
Jasmin und Lidija

„Wir wollen hinsehen und nicht wegsehen lernen. Das haben wir uns vorgenommen.“
Adrijana, Marianne und Sabrina

„Wer hat dem Mut, wer überwindet die Trägheit, wer hilft heute, wenn Menschen Unrecht geschieht?“
Adrijana, Marianne und Sabrina

„Ich glaube, Geschichte wiederholt sich immer, und ich will wissen, wie ich reagieren muss, um Diskriminierungen, Intoleranz und Rassismus klar entgegen treten zu können.“
Ana

„Von 1125 Menschen des Transports am 19. Oktober 1941 (die Zahlen variieren: einige Quellen sprechen von 1113 und sogar von 1180 Personen) von Frankfurt in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz haben nur 3 Menschen überlebt.“
Benjamin und David

Zitate: Schülerinnen und Schüler der Brüder-Grimm-Schule, 2002/2003.
Abbildungen: -Neuankömmlinge beim Appell im KZ Buchenwald, November 1938, United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC;
– Akten zur Entlassung Julius Flörsheims der Stadt Frankfurt am Main, Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt am Main
Aus: „Julius Flörsheim – ein jüdischer Lehrer an der Brüder-Grimm-Mittelschule in Frankfurt am Main, 1914-1935“. Publikation der Geschichts-AG, Brüder-Grimm-Schule, FFM, 2003
Konzeption und Realisation der Gedenktafel: Bernd Fischer, Offenbach am Main, 2004

Technische Angaben:

Zwei Glastafeln in den Formaten 76 x 120 cm sind zu einer Scheibe verbunden. Gedruckt wurde mit keramischen Farben in den Farbtönen Schwarz (obere und untere Glasscheibe) und Weiß (untere Glasscheibe). Keramische Farben sind u. a. mechanisch extrem belastbar, höchst lichtecht und witterungsbeständig. Das Glas wurde zu Sicherheitsglas weiter verarbeitet und hat eine Gesamtstärke von ca. 10 mm. Diese Glasstärke ist gegen Fußballbeschuß u.a. Attacken bis mittelschwerer Art stabil. Der Scheibenverbund ist mit vier Abstandshaltern ca. zwei cm vor einer Wand im Außenbereich montiert worden.

» Martin Benn über das Werk
» Spurensuche an der Brüder-Grimm-Schule
» www.stadtgeschichte-ffm.de/service/gedenktafeln/grimm_schule
» Jüdische Denkmäler Frankfurt

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