Bernd Fischer studierte von 1974 bis 1980 an der Hochschule für Gestaltung bei Hans Peter Münch und von 1976 bis 1982 an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Michael Croissant. Diese Studienzeit versteht er „im nachhinein als eine Zeit des Versuchens verschiedener Ansätze, eines intensiven Kennenlernens des Mediums und meiner selbst“.
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Vier einzelne Objekte O.T. 1978 Farbe auf Holz Je ca. max. 30 x 50 cm Foto: Atelierhängung Städelschule Objekt links: Christian Friedrichs; Objekt mitte Oben: Späterer Innovationspreis |
Die Entwicklung der Farbträgerformen erstreckt sich von gerade aneinander schließenden Tafeln über extreme Quer- oder Hochformate, serielle Reihungen von Einzeltafeln, zur Farbfläche zusammengezogene schmale Latten, bis zu asymmetrisch Verschobenen Rauten, aus denen noch Flächen für die Einfügung von kleineren Teilflächen herausgesägt sind. Die Hinwendung zur Malerei bedeutet also für Fischer nicht nur ein Experiment mit der Farbe, sondern besonders mit der Form. Dass gerade die Form auch eine wichtige Auswirkung hat, kann man im beispielhaften Vergleich zweier arbeiten erkennen. Auf einem aus zehn schmalen Hochrechtecken bestehenden Bild behandelt Fischer eines seiner zentralen Themen, das Fliegen in unbestimmtem Raum. Hierbei wird die Farbkontinuität trennende Form durch den Bildinhalt (Vogelflug) wieder zusammengefügt.

Anders stellt sich bei der aus schmalen Latten bestehenden, unterbrochenen Bildfläche eine Farbkontinuität auch ohne inhaltlichen Bezug her, weil dort die Farbe allein das Bild gleichsam nach rechts ausstößt. Wie wichtig die Form für Fischers Arbeiten ist, zeigt die Tatsache, dass der Eindruck von Instabilität vor allem durch die Abweichung der formen von symmetrischer Geometrie entsteht. Längere und kürzere, breitere und schmalere Tafeln werden in so spitzem Winkel aneinandergefügt, dass schmale Spalten entstehen, die den Arbeiten in ihrer Gesamtausdehnung den Ausdruck von Fragilität verleihen. Hinzu kommt, dass sich die Zusammengehörigkeit der Einzelteile eher über die Malerei als über die Form erschließt, wenn z.B. die Form des Rechtecks der kleineren Tafel auf der dazugehörigen größeren als Malerei wiederholt wird. Bei Fischers Arbeiten ist also die form veränderlich und die Farbe wird erst zu ihr in Beziehung gesetzt. In Umkehrung traditioneller Tafelmalerei ist das stabilere Moment nicht die Form, sondern die Farbe. In dieser Austauschbarkeit des Verhältnisses der Formteile zueinander drückt sich ein gegenwärtiges Bewusstsein von Irreversibilität und Instabilität aus.
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Astronaut 1985 Gemalte und gedruckte Farbe auf Leinwand/Nessel Zweiteilig, 125 x 135 cm Evonic Services GmbH (vormals Degussa) |
Fischers bevorzugte Themen sind Vogel, Hand, Astronaut. So selbstverständlich das Fliegen des Vogels ist, so abhängig von der Technik macht es den Menschen. Was zunächst als Befreiung schien, wird ihm zur Fessel. Eingepackt wie in einem Kokon, muss er sich mit technischen Hilfsmitteln künstlichen Bedingungen unterwerfen, die ihn zur Mensch-Maschine Astronaut machen. Gerade die den Menschen konstituierenden physischen und psychischen Bedingungen werden verkapselt. In diesem Zusammenhang bekommt die Hand als Träger direkter Motorik, von Tastsinn und unmittelbarer menschlicher Wärme den Charakter eines Symbols für die Sehnsucht nach manuellem Gleichgewicht in einer Welt entmanualisierter Technizität. Da Technik die Ablösung der über die Hand vermittelten direkten Motorik des einzelnen menschen zur Folge hat, ist ihre zentrale Darstellung ein Zeichen für die Trauer über den Verlust an individuellen Möglichkeiten.
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Kopf 1986 Tempera auf Holz, zweiteilig 113 x 144 cm Deutsche Bank, Frankfurt/Main |